Rollator im Vergleich: Krankenkasse oder selbst bezahlen?

Rollator im Vergleich: Krankenkasse oder selbst bezahlen?

Caspar von Hirschhausen

Der Moment kommt oft schleichend: Wege, die früher selbstverständlich waren, fühlen sich plötzlich länger an. Bordsteine, kleine Steigungen oder unebene Wege erfordern mehr Kraft und Aufmerksamkeit als noch vor einiger Zeit. Ein Rollator kann hier Sicherheit geben und dabei helfen, mobil zu bleiben, doch spätestens beim ersten Kontakt mit Arztpraxis, Sanitätshaus oder Krankenkasse taucht eine entscheidende Frage auf: Reicht die Versorgung über die Krankenkasse aus oder lohnt es sich, einen Rollator selbst zu bezahlen?

Viele Betroffene stehen genau an diesem Punkt vor einer Vielzahl an Informationen, Empfehlungen und Meinungen. Begriffe wie Kassenmodell, Zuzahlung, Selbstzahler oder Premium-Rollator sorgen eher für Verunsicherung als für Klarheit. Gleichzeitig spielt der finanzielle Rahmen eine zentrale Rolle: Was übernimmt die Krankenkasse tatsächlich und welche Unterschiede ergeben sich im Alltag?

In diesem Beitrag beleuchten wir das Thema sachlich und praxisnah. Ziel ist es, die Unterschiede zwischen Rollatoren über die Krankenkasse und selbst bezahlten Modellen verständlich einzuordnen, ohne zu bewerten oder pauschale Empfehlungen auszusprechen. So entsteht eine fundierte Grundlage für eine Entscheidung, die zur eigenen Mobilität, zum Alltag und zum persönlichen Budget passt.

Als Rollator Experten schauen wir uns das Thema nüchtern, praxisnah und fachlich fundiert an.

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Inhalt dieses Beitrags:

Kurzzusammenfassung

Ein Rollator kann entweder über die Krankenkasse als Hilfsmittel bezogen oder als selbst bezahltes Modell gekauft werden. Bei der Versorgung über die Krankenkasse übernimmt diese in der Regel einen Zuschuss von etwa 60 bis 100 Euro für einen Standard-Rollator. Umfang, Ausstattung und Auswahl sind dabei an feste Versorgungsrichtlinien gebunden.

Alternativ können Rollatoren auch privat gekauft werden. In diesem Fall tragen Nutzer die Kosten selbst, teilweise ist jedoch auch hier ein Krankenkassenzuschuss möglich. Selbst bezahlte Rollatoren unterscheiden sich häufig in Gewicht, Material, Faltmechanik, Bereifung und Ergonomie, was je nach Alltagssituation relevant sein kann.

Welche Variante sinnvoll ist, hängt vor allem vom persönlichen Mobilitätsbedarf, dem Einsatzbereich, der körperlichen Belastbarkeit sowie dem finanziellen Rahmen ab.

Rollator über die Krankenkasse: Der typische Weg zur Standardversorgung

In vielen Fällen beginnt der Weg zu einem Rollator in der Arztpraxis. Stellt der behandelnde Arzt fest, dass eine Gehhilfe medizinisch notwendig ist, wird ein Rezept für einen Rollator ausgestellt. Dieses Rezept bildet die Grundlage für die Versorgung über die gesetzliche Krankenkasse.

Mit dem Rezept wenden sich Betroffene in der Regel an ein Sanitätshaus, das mit der jeweiligen Krankenkasse zusammenarbeitet. Dort erfolgt die Auswahl eines Rollators aus dem sogenannten Hilfsmittelverzeichnis. Die Krankenkasse übernimmt für diese Standardversorgung einen festgelegten Zuschuss, der meist bei etwa 60 Euro liegt. Bei besonderen Anforderungen kann dieser Zuschuss im Einzelfall auch höher ausfallen.

In vielen Fällen fällt zusätzlich eine gesetzliche Zuzahlung an. Diese liegt zwischen 5 und 10 Euro und wird direkt im Sanitätshaus bezahlt. Wichtig zu wissen ist, dass der Rollator Eigentum der Krankenkasse bleibt und nach Beendigung der Nutzung wieder an die Versicherung zurückgegeben wird.

Auswahl im Sanitätshaus

Im Sanitätshaus stehen in der Regel einige Rollatoren zur Auswahl, die für die Abrechnung mit der Krankenkasse zugelassen sind. Diese sogenannten Kassenmodelle erfüllen die grundlegenden Anforderungen an eine Gehhilfe:

  • stabiler Rahmen
  • höhenverstellbare Griffe
  • Sitzfläche für kurze Pausen
  • Bremsen zur Sicherung beim Gehen und Sitzen
  • Reifen aus Hartgummi

Damit sind Kassenrollatoren grundsätzlich für den Alltag geeignet und ermöglichen vielen Menschen eine sichere Unterstützung beim Gehen. Sie erfüllen ihren Zweck als medizinisches Hilfsmittel und stellen sicher, dass Mobilität weiterhin möglich bleibt.

Technische Einordnung der Kassenmodelle

Aus fachlicher Sicht handelt es sich bei Kassenrollatoren meist um standardisierte Modelle, die auf eine breite Nutzbarkeit ausgelegt sind. Um die Kosten im Rahmen der Krankenkassenvergütung einzuhalten, werden häufig robuste Materialien wie Stahl verwendet. Das sorgt für Stabilität, kann jedoch auch zu einem höheren Eigengewicht führen. Üblicherweise liegen diese Rollatoren bei einem Gewicht von etwa 9 bis 10 Kilogramm.

Typische Merkmale von Kassenrollatoren sind:

  • vergleichsweise höheres Gewicht
  • einfache Faltmechanismen oder keine besonders kompakte Faltung
  • Standardreifen aus Hartgummi
  • funktionale, aber wenig individualisierte Ausstattung

Diese Eigenschaften stellen keinen Mangel im medizinischen Sinne dar, sondern sind das Ergebnis klar definierter wirtschaftlicher Vorgaben. Die Krankenkasse stellt sicher, dass eine Grundversorgung gewährleistet ist, berücksichtigt jedoch in der Regel keine individuellen Komfort- oder Ausstattungswünsche.

In der Praxis zeigt sich, dass Kassenrollatoren für viele Menschen einen sinnvollen Einstieg in die Nutzung einer Gehhilfe darstellen. Gleichzeitig berichten Nutzer im Alltag auch von Einschränkungen, etwa beim Anheben des Rollators, beim Transport im Auto oder bei längeren Strecken. Diese Aspekte hängen weniger mit der medizinischen Funktion zusammen als vielmehr mit Konstruktion, Gewicht und Ausstattung, die innerhalb der Krankenkassenpauschalen realisiert werden müssen.

Kassenrollator
Klassisches Kassenmodell

Selbst bezahlter Rollator: Mehr Auswahl, mehr Komfort, mehr Individualität

Für viele Menschen entsteht der Wunsch nach einem selbst bezahlten Rollator nicht von Anfang an, sondern im Alltag. Häufig zeigt sich erst nach einigen Wochen der Nutzung eines Kassenrollators, ob Gewicht, Handhabung und Ausstattung den persönlichen Anforderungen wirklich entsprechen. Manche empfinden den Rollator als zu schwer oder unhandlich, andere wünschen sich eine kompaktere Faltung, ein ansprechenderes Design oder mehr Komfort bei längeren Strecken.

An diesem Punkt beginnt für viele die Überlegung, ob eine private Anschaffung sinnvoll sein kann entweder als Alternative zur Standardversorgung oder als gezieltes Upgrade.

Der Weg zum selbst bezahlten Rollator

Im Gegensatz zur Versorgung über die Krankenkasse ist der Weg beim Privatkauf deutlich flexibler. Der Rollator kann direkt im Fachhandel, im Sanitätshaus oder online ausgewählt werden unabhängig von festen Vorgaben aus dem Hilfsmittelverzeichnis. Die Entscheidung orientiert sich dabei stärker am eigenen Alltag, an den körperlichen Voraussetzungen und am persönlichen Budget.

Viele Nutzer entscheiden sich bewusst für einen selbst bezahlten Rollator, wenn:

  • das Gewicht des Kassenmodells als zu hoch empfunden wird
  • der Rollator häufig transportiert oder angehoben werden muss
  • er regelmäßig im Auto, Bus oder Zug genutzt wird
  • der Einsatz im Innen- oder Außenbereich spezifische Anforderungen stellt
  • Design, Farbe oder zusätzliche Ausstattung eine Rolle spielen

Größere Auswahl bei Materialien, Gewicht und Ausstattung

Ein wesentlicher Unterschied zu Kassenmodellen liegt in der Vielfalt der verfügbaren Rollatoren. Selbst bezahlte Modelle werden aus unterschiedlichen Materialien gefertigt, etwa aus Aluminium oder Carbon. Dadurch ergeben sich deutliche Gewichtsunterschiede: Viele Modelle liegen im Bereich von 5 bis 7 Kilogramm, teils sogar darunter.

Neben dem Gewicht bieten diese Rollatoren mehr Auswahl bei:

  • Faltmechanismen (besonders schmale oder stehende Faltung)
  • Reifenarten für Innen- oder Außenbereiche
  • Griff- und Sitzhöhen für unterschiedliche Körpergrößen
  • Zubehör wie Taschen, Rückengurte, Stockhalter oder Tabletts
  • Farben und Designs, die sich besser in den Alltag integrieren

Preisrahmen und finanzielle Einordnung

Der Preis für einen selbst bezahlten Rollator liegt in der Regel über dem der Standardversorgung. Einstiegsmodelle beginnen bei etwa 200 Euro, während hochwertige Ausführungen insbesondere aus Carbon oder mit umfangreicher Ausstattung Preise von 600 bis 700 Euro erreichen können.

Der höhere Preis ergibt sich aus Materialien, Verarbeitung, Ausstattung und individueller Anpassbarkeit. Gleichzeitig erhalten Käufer ein Gerät, das ihrem persönlichen Nutzungsprofil entspricht und vollständig in ihr Eigentum übergeht.

Zuschuss durch die Krankenkasse auch beim Privatkauf möglich

Auch bei selbst bezahlten Rollatoren ist in bestimmten Fällen ein Zuschuss durch die Krankenkasse möglich. Voraussetzung dafür ist, dass der Rollator über eine Hilfsmittelnummer (HMV-Nummer) verfügt und somit im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist. Man benötigt auch zwingend ein Rezept vom Arzt für die Abrechnung, bevor man den Rollator kauft. In diesen Fällen kann die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernehmen, während der verbleibende Betrag privat getragen wird.

Ob und in welcher Höhe ein Zuschuss gewährt wird, hängt von der jeweiligen Krankenkasse und dem gewählten Modell ab. Eine vorherige Klärung ist daher empfehlenswert.

Einordnung aus Expertensicht

Aus fachlicher Sicht bieten selbst bezahlte Rollatoren vor allem mehr Kombinationsmöglichkeiten in Bezug auf Nutzung, Komfort und Alltagstauglichkeit. Sie erlauben eine individuellere Auswahl, setzen jedoch auch eine bewusste Entscheidung über das eigene Budget voraus. Ob ein selbst bezahlter Rollator sinnvoll ist, hängt weniger von medizinischen Kriterien ab als von persönlichen Anforderungen, Nutzungsgewohnheiten und finanziellen Möglichkeiten.

Kassenrollator oder selbst bezahlen? Der direkte Vergleich

Kriterium Rollator über die Krankenkasse (Standardversorgung) Selbst bezahlter Rollator
Kosten Krankenkasse übernimmt einen festen Zuschuss (meist ca. 60–100 €), 5–10 € Zuzahlung Kaufpreis ca. 200–700 €, je nach Modell und Ausstattung
Eigentum In der Regel Leihgerät, bleibt Eigentum der Krankenkasse Vollständiges Eigentum des Nutzers
Auswahl Eingeschränkte Modellwahl aus dem Hilfsmittelverzeichnis Große Auswahl an Marken, Modellen und Bauarten
Gewicht Meist 9–10 kg durch Stahlrahmen Häufig 5–7 kg durch Aluminium oder Carbon
Faltmechanismus Einfache oder sperrige Faltung Kompakte, stehende oder besonders schmale Faltung
Reifen Standard-Hartgummireifen Soft-Reifen oder Luftbereifung je nach Einsatzbereich
Komfort & Extras Grundausstattung, wenig Individualisierung Zubehör, Farben, Taschen, Rückengurte, ergonomische Griffe
Zuschuss möglich Ja, Teil der Regelversorgung Möglich bei Modellen mit HMV-Nummer

Das Kassenmodell und der privat gekaufte Rollator im Vergleich: Hier der Carbon Rollator von Saljol.

Kurze Einordnung aus Expertensicht

Beide Versorgungswege haben ihre Berechtigung. Die Krankenkassenversorgung stellt sicher, dass eine grundlegende Mobilität gewährleistet ist. Selbst bezahlte Rollatoren eröffnen darüber hinaus mehr Spielraum bei Gewicht, Komfort, Einsatzbereich und Alltagstauglichkeit, sind jedoch mit höheren Kosten verbunden.

Entscheidungshilfe: Welche Rollator-Lösung passt zu Ihrer Situation?

Die Wahl des passenden Rollators hängt von mehreren Faktoren ab, die individuell sehr unterschiedlich sein können. Wir als Experten geben hier eine neutrale Orientierung, damit Sie die Optionen besser vergleichen und einschätzen können, ohne zu sagen, was „besser“ oder „schlechter“ ist.

Nutzungshäufigkeit und Alltagssituationen:
Nutzen Sie den Rollator nur gelegentlich innerhalb der Wohnung oder häufiger für längere Strecken draußen? Für kurze Wege und seltene Nutzung kann ein Kassenmodell ausreichend sein, während bei längeren Strecken oder häufiger Nutzung ein selbst bezahltes Modell mehr Komfort und Anpassungsmöglichkeiten bietet.

Kraft, Gleichgewicht und Mobilität:
Wie viel Kraft und Stabilität stehen Ihnen zur Verfügung? Leichtere Rollatoren oder Modelle mit ergonomischen Griffen können besonders hilfreich sein, wenn häufiges Anheben oder längere Strecken geplant sind.

Wohn- und Lebensumfeld:
Leben Sie in einer Wohnung mit engen Türen oder benötigen Sie den Rollator für den Außenbereich, etwa auf Kopfsteinpflaster, im Park oder beim Einkaufen? Modelle mit kompakter Faltung und größeren Reifen bieten hier unterschiedliche Vorteile.

Budget & Finanzierung:
Kassenrollatoren sind in der Regel kostenfrei oder erfordern nur eine geringe gesetzliche Zuzahlung. Selbst bezahlte Modelle bieten mehr Auswahl bei Gewicht, Design, Zubehör und Faltmechanik, liegen aber preislich meist zwischen etwa 200 € und 700 €. Teilweise können Zuschüsse von der Krankenkasse genutzt werden, wenn der Rollator im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist (HMV-Nummer).

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was zahlt die Krankenkasse für einen Rollator?
Die Krankenkasse übernimmt eine Pauschale für die Standardversorgung, die meist bei ca. 60 Euro liegt. Hinzu kommt eine gesetzliche Zuzahlung des Versicherten zwischen 5 und 10 Euro.
Gehört der Kassenrollator mir?
Nein, in der Regel bleibt der Rollator Eigentum der Krankenkasse und ist eine Leihgabe. Nach Ende der Nutzung muss er zurückgegeben werden.
Was kostet ein Rollator, wenn man ihn selbst bezahlt?
Die Preise für selbst gekaufte Rollatoren variieren je nach Ausstattung und Material. Einstiegsmodelle beginnen ab ca. 200 Euro, hochwertige Modelle aus Carbon können bis zu 700 Euro kosten.
Kann ich auch bei einem selbst gekauften Rollator einen Zuschuss bekommen?
Ja, das ist möglich, sofern der Rollator eine Hilfsmittelnummer (HMV-Nummer) besitzt. Die Krankenkasse kann dann ihren Standardzuschuss beisteuern, die Differenz zahlen Sie selbst.
Wie schwer ist ein Kassenrollator im Vergleich zu privaten Modellen?
Kassenrollatoren wiegen oft zwischen 9 und 10 kg (Stahlrahmen). Selbst bezahlte Modelle aus Aluminium oder Carbon sind häufig deutlich leichter und wiegen oft nur 5 bis 7 kg.

Fazit: Rollator über die Krankenkasse oder selbst bezahlen?

Die Entscheidung, ob ein Rollator über die Krankenkasse bezogen oder selbst gekauft werden sollte, hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab: Mobilitätsbedarf, Alltagssituationen, körperliche Voraussetzungen und Budget. Kassenrollatoren bieten eine funktionale Grundversorgung, erfüllen die medizinischen Anforderungen und kommen mit nur geringen Zuzahlungen aus. Sie sind besonders dann sinnvoll, wenn kurzfristig eine Gehhilfe benötigt wird oder die Nutzung eher sporadisch erfolgt.

Selbst bezahlte Rollatoren eröffnen mehr Auswahlmöglichkeiten in Bezug auf Gewicht, Rahmenmaterialien, Reifenarten, Faltmechanik, Design, Farben und Zubehör. Sie bieten mehr Komfort, höhere Alltagstauglichkeit und oft auch leichtere Handhabung, insbesondere bei längeren Strecken oder häufigem Gebrauch. Teilweise kann ein Zuschuss der Krankenkasse genutzt werden, wenn der Rollator im Hilfsmittelverzeichnis (HMV) gelistet ist. So wird die Mobilität unterstützt und gleichzeitig die eigene Entscheidung über Ausstattung und Nutzungsmöglichkeiten erhalten.

Wenn Sie nach diesem Überblick überlegen, welche Lösung für Sie passt, probieren Sie gerne unser Rollator-Quiz. Wir, die Rollator Experten, unterstützen Sie natürlich auch gerne persönlich bei der Auswahl des passenden Rollators.

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